Panela "Los Tres"

 

Die Infos zu unserem Panela-Vollrohrzucker „Los Tres“ aus dem Cauca/Kolumbien haben wir entlang der folgenden Fragen strukturiert:

Bei weiteren Fragen, meldet euch gerne bei uns.

 


Was ist Panela und wie kann sie verwendet werden?

Panela ist ein Vollrohrzucker, der in der kolumbianischen Küche eine wichtige Rolle spielt. Charakteristisch ist der kräftige Karamell-Geschmack mit feiner Malz-Note.

Panela besteht zu 100 % aus Zuckerrohrsaft. Um sie herzustellen, wird Zuckerrohr direkt nach der Ernte ausgepresst, der gewonnene Saft gekocht und zu Sirup eingedickt. Dieser Sirup wird dann ausgekühlt, so dass er fest wird. Für Panela in Pulverform wird der Sirup während des Abkühlens zu Pulver geschlagen.

Panela wird also nicht raffiniert oder chemisch behandelt. Durch diesen schonenden, handwerklichen Herstellungsprozess entsteht der einzigartige Geschmack. Ebenso bleiben Mineralien, Vitamine und die sekundären Pflanzenstoffe des Zuckerrohrs erhalten.

Panela kann wie herkömmlicher raffinierter Zucker verwendet werden - etwa auch zum Backen. Für leckere Getränke- und Speise-Rezepte aus der kolumbianischen Küche haben wir euch außerdem ein paar Rezepte zusammen gestellt. Probiert sie einfach mal aus!

 


Was steckt hinter dem Namen „Los Tres“?

Auf Deutsch heißt der Name „Die Drei“, denn eine Besonderheit von „Los Tres“ ist, dass die Panela sowohl aus indigenen, afro-kolumbianischen als auch aus Campesino-Gemeinden stammt (siehe unten). Diese drei kleinbäuerlichen Sektoren bilden zusammen die kolumbianische Landbevölkerung. Unterschiede zwischen ihnen liegen vor allem im soziokulturellen Bereich: Sie haben verschiedene Weltanschauungen und daraus resultierende unterschiedliche Bezüge zu Land und Natur. Darauf aufbauend haben sie auch je eigene gesellschaftliche und politische Organisierungsprozesse. Zu welcher Gruppe man sich selbst zählt, hängt weniger von Abstammung oder Hautpigmentierung als von der Geschichte und dem Schicksal der eigenen Familie oder Gemeinde ab.

Alle drei Sektoren kämpfen für ihr Recht auf Land („tierra“). Teilweise kämpfen sie gemeinsam, denn sie leiden unter ähnlichen Problemen: Landknappheit, Ausbeutung und Benachteiligung innerhalb des kapitalistischen Marktes, fehlende Infrastruktur, gesellschaftliche Marginalisierung und eine Agrarpolitik, die die industrielle Landwirtschaft begünstigt.

Es kommt entlang dieser Unterscheidung jedoch auch zu Spaltungen und Konflikten. Nicht selten führt die Landknappheit von Gemeinden aus allen drei Sektoren dazu, dass sie in Konkurrenz zu einander geraten. Die Landverteilung in Kolumbien ist eine der ungleichsten auf der Welt: Laut einer Auswertung der NGO Oxfam aus dem Jahr 2017, besitzt ein Prozent der Landbevölkerung 81 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Vielen Familien fehlt ausreichend Land, um stabil und frei von Armut zu wirtschaften. Das meiste Land ist in der Hand von Großgrundbesitzer*innen. Grund hierfür sind umfassender Landraub und Vertreibung gegen kleinbäuerliche Gemeinden von der Kolonialzeit bis heute.

Die wirtschaftlichen und politischen Eliten haben die Konflikte zwischen den kleinbäuerlichen Sektoren immer wieder ausgenutzt und befeuert. Zunächst haben sie ihn durch die rassistische Unterteilung und Hierarchisierung der Bevölkerung während der europäischen Kolonialherrschaft geschaffen. Bis heute prägen die auf dieser Basis entstandenen Diskriminierungen die kolumbianische Gesellschaft. Und mit Hilfe von Medien, Gesetzen und der Landverteilungspolitik spielen die Eliten die arme Bevölkerung auch heute gegeneinander aus. So verhindern sie gemeinsame Kämpfe der drei Sektoren gegen ihre Ausbeutung und die ungleiche Landverteilung.

„Los Tres“ hingegen ist ein konkretes Beispiel für einen gemeinsamen Prozess der drei ländlichen Bevölkerungsgruppen. In der Panela stecken ihre vereinten Anstrengungen, die Vielfalt und der Reichtum dieser Zusammenarbeit.

 


Woher kommt die Panela „Los Tres“?

Die Panela „Los Tres“ wird von mehreren kleinbäuerlichen Kooperativen aus dem Cauca im Südwesten Kolumbiens hergestellt.

Beim Anbau gehen die Produzent*innen rücksichtsvoll mit ihrer Umwelt um. Der Fokus ihrer Landwirtschaft liegt auf Vielfalt, Nachhaltigkeit und Selbstversorgung. Chemische Dünger oder Pestizide werden nicht verwendet.

Mit ihrer Organisierung in Kooperativen und der gegenseitigen Unterstützung schaffen sich die Zuckerrohr-Anbauenden größere Sicherheit und erzielen bessere Preise. Außerdem können sie Weiterverarbeitungsanlagen aufbauen, um an der weiteren Wertschöpfung des Zuckerrohrs teilzuhaben. Für die im kapitalistischen Markt extrem benachteiligten kleinbäuerlichen Familien sind die Kooperativen damit Orte der gegenseitigen Stärkung und Solidarität.

Durch ihre kollektiven Prozesse stärken sie auch ihre Gemeinden und den gemeinsamen Kampf für ihr Land, ihre Natur und ihre Lebensweisen. Diese werden allesamt durch staatliche Akteure, Paramilitärs, die organisierte Kriminalität und kapitalistische Ausbeutung angegriffen.

Konkret stammt die Panela aus folgenden kollektiven Prozessen:

Asociación Campesina de Caldono (ASOCAL, Campesino-Vereinigung von Caldono): Die Kooperative wurde 1999 im Landkreis Caldono gegründet und ist Teil des Campesino-Organisierungsprozesses. Die in ihr organisierten Familien aus den Gemeinden Campo Alegre, Pescador und Siberia produzieren in ganzheitlich und nachhaltiger Weise Kaffee, Panela, Quinoa und weitere Getreide. Als Kooperative haben sie verschiedene Weiterverarbeitungsanlagen aufgebaut – unter anderem eine kleine kollektive Kaffee-Rösterei, eine Zuckerrohrpresse sowie eine Quinoa-, Mais- und Weizen-Mühle. Auch der Vertrieb der so erzeugten Produkte erfolgt kollektiv über die Kooperative. Darüber hinaus organisieren die Campesinos in ihrer Kooperative verschiedenste gemeinsame Aktivitäten, wie die Herstellung von Heilkräutern, die Erhaltung von Saatgut sowie Kulturveranstaltungen mit traditionellen Tänzen und Musik. Das Kollektiv La Libertaria aus Lecco/Italien, mit dem wir den Panela-Import zusammen organisieren, hat ASOCAL zuletzt 2022 besucht.

Gemeinde La Pedregosa: Die afro-kolumbianische Gemeinde liegt im Landkreis Cajibio in einer Bergbauregion. Die Region wurde seit den 1980er Jahren besonders hart von paramilitärischer Gewalt getroffen. Seit vielen Jahren leisten die Bewohner*innen Widerstand gegen paramilitärischen Gruppen. Ebenso organisieren sie sich basisdemokratisch für die Weiterentwicklung ihrer Gemeinde und für ihre Rechte. Zur Herstellung von Panela aus dem von den Bewohner*innen angebauten Zuckerrohr betreibt die Gemeinde eine Weiterverarbeitungsanlage.

Zuckerrohr-Produzent*innen-Gruppe aus dem Resguardo Indígena de Guarapamba (indigenes Selbstverwaltungsgebiet von Guarapamba): Das im Indigenen Regionalrat des Cauca (CRIC) organisierte Selbstverwaltungsgebiet von Guarapamba wurde Anfang der 2000er Jahre von einigen der indigenen Pubenense aus dem Landkreis El Tambo wieder gegründet. Das früher bestehende sehr viel größere Resguardo (indigenes Selbstverwaltungsgebiet) wurde in den 1920er Jahren aus unbekannten Gründen aufgelöst. Heute leben die Bewohner*innen des Gebietes verstreut, haben aber zusammen drei kollektive Grundstücke mit zusammen 60 Hektar. Hier finden auch ihre Selbstverwaltungstreffen, landwirtschaftliche Weiterbildungen und kulturellen Veranstaltungen statt. Einen Teil dieser Ländereien bewirtschaften sie in Gemeinschaftsarbeit, auf einem anderen Teil hat jede Familie eigene Parzellen. Hier bauen sie Kaffee, Zuckerrohr, Früchte und Kochbananen an ohne chemische Dünger oder Pestizide zu verwenden. Die Zuckerrohr-Produzent*innen-Gruppe im Resguardo Guarapamba hat 25 Mitglieder (Stand: 2020). Gemeinsam haben sie eine Weiterverarbeitungsanlagen aufgebaut, in der sie gemeinschaftlich und in nicht-industrialisierter Weise Panela herstellen. Wir haben das Resguardo und die Zuckerrohr-Produzent*innen-Gruppe bei unserer Reise 2020 besucht.

Asociación de Productores de la Vega (ASPROVEGA, Produzent*innen-Vereinigung von La Vega): In der Kooperative aus dem Landkreis La Vega sind 48 Familien organisiert. Sie bauen Kaffee, Zuckerrohr, Kochbananen und verschiedene Gemüse und Früchte an – alles ohne Pflanzenschutzmittel und im Einklang mit der Umwelt. Gemeinsam haben sie eine Weiterverarbeitungsanlage zur Herstellung von Panela mit dem Namen „Tierra Dulce“ (Süßes Land/Süße Erde). Die Kooperative ist Teil des Campesino-Organisierungsprozesses von La Vega. Innerhalb dieses Prozesses kümmern sie sich zusammen mit anderen Kooperativen und Organisationen um die Gesundheitsversorgung der Gemeinden, den Schutz des Wassers gegen Bergbauunternehmen, der Stärkung nachhaltiger Anbaumethoden sowie den Selbstschutz in der Guardia Campesina (Campesino-Wache). Das Kollektiv La Libertaria aus Lecco/Italien, mit dem wir den Panela-Import zusammen organisieren, hat ASPROVEGA zuletzt 2022 besucht.

Trapiche Comunitario la Palmereña (Gemeinde-Zuckermühle La Palmereña): In der Gemeinde El Palmar im afro-kolumbianischen Selbstverwaltungsgebiet Zanjón de Garrapatero (Landkreis Santander de Quilichao) haben sich 115 Familien zusammengeschlossen und gemeinsam eine Weiterverarbeitungsanlage zur Herstellung von Panela aufgebaut. Diese Zuckermühle ist Teil der afro-kolumbianischen Selbstverwaltung des Gebietes, die dort verschiedene Prozesse zur Stärkung der Gemeindewirtschaft fördert.

Außerdem war an der Herstellung der Panela die Asociación de Productores de Panela de Santander de Quilichao (Panela-Produzent*innen-Vereinigung von Santander de Quilichao) beteiligt. In deren Anlage wurde die Panela vereinheitlicht, also die Lieferungen der einzelnen Kooperativen und Gruppen auf eine einheitliche Körnung gebracht, gemischt, und anschließend verpackt.

Darüber hinaus waren die Organisierung und der Import von „Los Tres“ ein Gemeinschaftsprojekt von Proceso Campesino de Suroccidente (Campesino-Prozess des Südwestens, Cauca/Kolumbien), Central Cooperativa Indígena del Cauca ( CENCOIC, Indigene Zentralkooperative des Cauca/Kolumbien), La Libertaria (Lecco/Italien) und dem Kaffeekollektiv Aroma Zapatista (Hamburg).

 


Was heißt solidarischer Handel bei der Panela „Los Tres“?

Wie bei unserem Kaffee, basiert auch der Import der Panela auf unseren Prinzipien des solidarischen Handels. Konkret heißt das unter anderem:

  • Der Preis von 9.000 Peso (rund 2,13 Euro) pro Kilo, den die Produzent*innen für ihre Panela erhalten haben, ist etwa doppelt so hoch wie der Preis, den sie normalerweise von Aufkäufer*innen erhalten.
  • Im Preis, den wir nach Kolumbien gezahlt haben, ist ein Beitrag für die Gruppen und Kooperativen in Höhe von 2.100 Peso (circa 0,50 Euro) pro Kilo enthalten. Diesen nutzen die jeweiligen Produzent*innen-Organisationen für ihre kollektiven Prozesse und Infrastrukturen, etwa zur Verbesserung ihrer Weiterverarbeitungsanlagen oder zur Saatguterhaltung.
  • 60 Prozent des Kaufpreises haben La Libertaria und wir bereits bei Vertragsunterzeichnung nach Kolumbien überwiesen, so dass die Koordination des Projektes vor Ort den Aufkauf und die Weiterverarbeitung der Panela nicht mit Krediten finanzieren mussten und die Produzent*innen zügig auszahlen konnten.
  • In unserem Verkaufspreis sind 0,25 Euro pro Kilo an Geldern für die Bewegungen enthalten.

Hier findet ihr eine genaue Kostenaufstellung für eine 500g-Packung von „Los Tres“:

Einkaufspreis Panela an die Kooperativen und Produzent*innen-Gruppen 1,065 € 38,8 %
Beitrag für die Produzent*innen-Gruppen und Kooperativen 0,248 €
Vereinheitlichung und Abpacken 0,074 €
Gelder für die Bewegungen 0,125 €
Materialkosten (Packung, Etikett, Kartons) 0,507 € 29,8 %
Transport, Import und Qualitätskontrolle 0,656 €
Betriebskosten Aroma (anteilig Gehälter und Sozialleistungen, Miete, Kreditzinsen usw.) 0,971 € 24,9 %
Steuern 0,255 € 6,5 %
Preis 3,90 €


 

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